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Mut zur Lücke!

Ein persönlicher Blick auf das „Abendgespräch“ in unserer Gemeinde.

Von Christoph Boettcher


Werkstatt der Netzflicker

Seitdem ich vor einigen Jahren begann, mich intensiver am Gemeindeleben und an den Gottesdiensten zu beteiligen, fiel mir auf, dass der Glaube einem Netz gleichen könnte – vielleicht nicht nur der meine: Das Netz aus Glaubensinhalten, die mir unmittelbar gegenwärtig waren, war an manchen Stellen „lückenhaft“, und beim Gebrauch rutschte einiges vielleicht Lohnende durch.

Ich bin daher froh, daß es in unserer Gemeinde eine Werkstatt gibt, in der sich Leute zur Erneuerung und zum Ausbau ihrer Glaubens-Netze ganz ungezwungen zusammensetzen: Alle vierzehn Tage finden sich etwa 12 bis 15 Interessierte und Herr Pfarrer Miehe zum „Abendgespräch“ im Gemeindehaus ein und tauschen sich über ein geistliches Thema aus.

Ich bin nun schon länger dabei, und in den Gesprächen wird mir einerseits die Welt unseres evangelischen Denkens immer vertrauter, und die „Lücken“, die man empfindet, lassen sich da schließen. Und andererseits entsteht durch den Austausch mit der an jedem Abend unterschiedlich zusammengesetzten Gruppe und durch die Art, wie Pfarrer Miehe da mitwirkt, ein Gefühl für unsere Gemeinde in ihrer besonderen Tönung, in ihrer eigenen Lebendigkeit.

Jeder kommt natürlich mit seinem besonderen Blickwinkel und seinen eigenen Interessen in die Runde – und trägt genau dadurch zum Verstehen bei. Oft reichen die vorgesehenen eineinhalb Stunden kaum aus, um alle Gesichtspunkte zu diskutieren, die die Anwesenden interessieren.

Predigtwerkstatt

Zur Zeit ist das Abendgespräch als „Predigtwerkstatt“ ausgestaltet, d.h. wir sprechen über Texte, die an einem der nächsten Sonntage Grundlage der Predigt von Pfarrer Miehe sein werden. So haben wir Gelegenheit, uns intensiver als im Gottesdienst mit einem Text auseinanderzusetzen, und holen ihn in unser Hier und Jetzt.

Wenn ich an eines der letzten Abendgespräche zum Predigttext Math.17, 1- 9 denke, fällt mir auf, dass es oft ganz einfache Fragen sind, die uns wirklich weiterbringen: Was haben eigentlich Mose und Elia in dieser Geschichte von der Verklärung Jesu zu suchen? Hat es überhaupt Sinn, sich länger mit dem Begriff „Verklärung“ aufzuhalten, der doch wörtlich eigentlich mit „Verwandlung“ übersetzt werden müsste? Andererseits: Warum hat Martin Luther das Wort „Verklärung“ benutzt? Oder: Warum wird Petrus, eben noch der „Felsgrund für die Gemeinde“ und in die großen Geheimnisse eingeweiht, in der nächsten Zeile wieder so schmerzlich getadelt, als habe er nichts wirklich verstanden?

Der Petrus von nebenan oder des Rätsels Lösung

Plötzlich erleben wir gerade diesen Petrus ganz brüderlich neben uns als jemanden, der uns begleiten kann, der nicht weniger „unwissend“ fragt als wir und nicht weniger zweifelt und schwankt. Gerade Petrus ist einer, der nicht nur als Fischer Löcher im Netz flicken muss, sondern eben auch im Netz seines Glaubens.

Für mich hat sich an jenem Abend das Rätsel um Mose und Elia lösen lassen, eine weitere Lücke in meinem Netz hat sich geschlossen. So etwa geht es zu in dieser Runde: Anmerkungen, Fragen, Diskussion und immer wieder das „Wort“, das ja im Zentrum unserer Aufmerksamkeit steht.
 

Mitreden, Mitgestalten

Es ist immer spannend! Es ist echte Gemeinde! Und Sie sind herzlich eingeladen. Und zwar nicht nur zum Besuch des nächsten Gesprächs, sondern auch dazu, eigene Vorschläge für Themen der Runde zu machen.

Termine und Themen finden Sie hier.

 

 

Geistlicher Impuls

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