Geistlicher Impuls

Impuls vom Januar 2020:

Ich glaube; hilf meinem Unglauben! (Jahreslosung für 2020). Was denken Sie spontan dazu? Tiefsinn oder Unsinn? Dieser wahrhaft erstaunliche Satz wird uns im Jahr 2020 als Jahreslosung begleiten. Er findet sich im Markusevangelium Kapitel 9, Vers 24. Die dazugehörige Geschichte Markus 9,14-29 erzählt, dass Jesus eines Tages einem Vater begegnet, der ein krankes Kind hat. In der Sprache des Neuen Testaments wird der kranke Sohn als von einem Dämon besessen bezeichnet. Die beschriebenen Symptome – Hinfallen, Starre, Schaum vor dem Mund – lassen uns heute an Epilepsie denken.

Es ist leicht nachvollziehbar, welche Sorgen die Eltern des Kindes umgetrieben haben. Da war einerseits die Sorge, dass dem Kind bei einem seiner Anfälle etwas geschehen könnte. Der Vater berichtet Jesus davon, dass der Dämon seinen Sohn bereits oft ins Wasser oder Feuer geworden habe (Vers 22a). Da war andererseits die vielfach gemachte Erfahrung, mit einem „besessenen“ Kind ausgestoßen zu sein, von anderen gemieden zu werden, weil man ja nicht weiß, ob dieser Dämon „ansteckend“ ist.

Kein Wunder, dass sich der Vater Jesus gegenüber etwas skeptisch zeigt: „Wenn du etwas kannst, hilf uns und erbarme dich unser“ (Vers 22b). Mag sein, dass sich darin die Enttäuschung widerspiegelt, dass schon viele diesem Vater die Heilung des Sohnes versprochen hatten, aber diese nie eingetreten war. Jesus empfindet wohl den Zweifel und antwortet: „Was heißt: ‚Wenn du kannst‘? Alles ist dem möglich, der glaubt.“ (Vers 23). Eine Antwort, die einem den Atem verschlagen kann.

Meine eigene Reaktion darauf ist übrigens immer: „Das stimmt doch einfach nicht.“ Ich könnte das auch niemandem sagen, der sich mit einem Problem oder einer Notlage an mich wendet. Denn dann würde ich ihm oder ihr die Verantwortung für die Not zuschieben, statt sie zu teilen und nach Wegen zu suchen, Probleme zu lösen. Ich finde diese Antwort von Jesus ganz schwierig.

In der Geschichte der christlichen Kirchen ist sie leider vielfach missbraucht worden, und das geschieht – meiner Meinung nach – auch heute noch. Man kann die Antwort nämlich einsetzen, um anderen deutlich zu machen: „Wenn dir nicht alles möglich ist, dann glaubst du nicht genug oder richtig!“ Auf diese Weise wird sie zu einem Werkzeug, andere in ihrem Glauben zu verunsichern.

Man kann die Antwort, die Jesus gibt, zudem dazu benutzen, um anderen zu demonstrieren: „Seht mal, was ich kann, weil ich richtig glaube!“ So geschieht es vielfach bei – oft genug amerikanischen – Fernsehpredigern und -predigerinnen, die dann vor einem riesigen Publikum spektakulär Kranke zu sich kommen lassen, um sie zu heilen. Ob die Kranken wirklich so krank waren, wie behauptet, und ob sie wirklich gesund wurden, kann man nicht prüfen.

Was Jesus dem Vater sagt, ist schwierig zu verstehen und auch menschlich schwierig. Wie soll er sich jetzt nicht schuldig und beschämt fühlen? Die Reaktion des Vaters darauf ist verblüffend: „Ich glaube – hilf meinem Unglauben.“ Widersprüchlicher geht es kaum, und doch ist gerade die Widersprüchlichkeit das, was diese Geschichte sympathisch macht. Dieser Vater versteckt nicht, dass er zwischen Glauben und Unglauben hin- und herschwankt, zwischen dem Vertrauen, dass es Heilung für seinen Sohn gibt und der jahrelangen Erfahrung, dass es noch nicht einmal eine kleine Besserung des Befindens gab. Er gibt zu, dass er hin- und hergerissen ist zwischen der Hoffnung, dass Jesus solch eine wunderbare Heilung gelingen kann und Skepsis, weil er vielleicht schon andere vermeintliche Wunderheiler kennengerlernt hat, die ihm großartige Versprechungen machten. Seine Zweifel und Skepsis bringt er als Glauben vor Jesus.

Damit ist mir dieser Vater sehr nahe. Ich kann mir gut vorstellen, wie es ihm geht. Und ich merke, dass es mir doch oft genug nicht anders geht. Kann ich wirklich grenzenlos glauben, mich bedingungslos Gott anvertrauen? Trägt mich das in schwierigen Situationen? Hält mein Glaube aus, dass ich mit Leid und Elend konfrontiert werde?

Die Geschichte vom Vater und seinem kranken Kind betont vor allem den Glauben Jesu. „Alles ist dem möglich, der glaubt.“ Das trifft zunächst einmal auf Jesus zu. Sein Glaube an Gottes Macht ist groß genug, dass er dem kranken Kind helfen und es heilen kann. So haben es zumindest die Christen verstanden, die diese Geschichte weitererzählt haben. Nicht zufällig wird am Anfang der Geschichte berichtet, dass die Jünger Jesu dem Kind nicht helfen konnten. Es gibt da einen Unterschied zwischen Jesus und seinen Nachfolgern.
Deswegen kann ich den Satz von dem Glauben, dem alles möglich ist, positiv aufnehmen. Er enthält nicht die Forderung an mich und meinen Glauben, nun Wunder zu tun, denn als solche wäre er „Über-Forderung“. Er enthält nur die Forderung an mich, mich dem Glauben Jesu anzuvertrauen und darauf zu setzen, dass Gottes Möglichkeiten größer sind als unsere. Und dass aus solchem Glauben manchmal scheinbar Unmögliches gelingt.

Übrigens nehmen Eltern diesen Satz von dem Glauben, dem alles möglich ist, gern als Taufspruch. Ich lege ihn dann so aus: Unser Glaube kann sicher nicht alles, aber doch erstaunlich viel. Vertrauen kann manchmal wahre Berge von Misstrauen oder Ärger versetzen. Er kann Grenzen überwinden und zu Verständigung führen, wo niemand damit gerechnet hat. Und da, wo das geschieht, da sind wir dann auf der Spur Jesu.

Aber wichtig ist, nicht die andere Seite aus den Augen zu verlieren: „Ich glaube – hilf meinem Unglauben.“ Nur zusammen macht beides Sinn. Glaube ist nicht da wie eine Immobilie, die ich einmal erworben habe und die dann mir gehört. Sondern Glaube wird täglich auf die Bewährungsprobe gestellt, und wir schwanken zwischen Glauben und Unglauben, je nach Lebenssituation, in der uns etwas begegnet oder widerfährt.

„Ich glaube – hilf meinem Unglauben.“ Das kann uns das ganze Jahr hindurch begleiten. Denn jedes christliche Fest stellt uns vor die Frage: Kannst du das glauben? Und jedes Mal stellt sie sich anders.
Weihnachten: Vertraue ich der Botschaft, dass Gott Mensch wird und sich auf die Welt einlässt, dass er uns als Mensch begegnet?
Karfreitag: Glaube ich, dass Gott sogar in den Tod geht, um die Spirale der Gewalt zu durchbrechen?
Ostern: Vertraue ich darauf, dass Gott den Tod überwindet – nicht nur für Jesus, sondern für uns alle?
Pfingsten: Erlebe ich, dass Gottes Geist mich ergreift, dass ich Mut spüre und Hoffnung in der Gemeinschaft derer, die mit mir Christen sind?
Erntedank: Sehe ich die Welt und alles, was lebt, als Geschöpfe Gottes, die zu achten mir aufgetragen sind?

Ich wünsche Ihnen, dass Sie jedes Mal „Ja“ sagen können, vielleicht nur zögernd, aber voller Vertrauen – wie der Vater in der Jesus-Geschichte.
Michael Miehe

Impuls vom November 2019:

Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt. (Hi 19,25; Monatsspruch für November 2019)

Das Wort „aber“ stellt einen Gegensatz dar. Hiob widerspricht. So kennt man ihn: Hiob, der Rebell gegenüber Gott und seinen Freunden. Hiob, der leidenschaftliche Streiter gegen das ihm zu Unrecht zugefügte Leid. Doch wenn Hiob an dieser bestimmten Stelle „aber“ sagt, kommt noch etwas Anderes zum Vorschein, nämlich eine neue Perspektive: „Ich bin mit meinem Leid – trotz allem – nicht allein. Ich bin kein bedauerlicher Ausnahmefall. Wenn nur meine Geschichte aufgeschrieben würde, würde es jeder erkennen.“ Hiob steht exemplarisch für alle Menschen, die wie er unter dauerhaften, unerträglichen Schmerzen leiden. Und er steht dafür ein, dass mit diesem Leid noch nicht alles gesagt ist.

In dem Streit, den Hiob mit Gott und seinen Freunden führt, beginnt er etwas Neues zu sehen. Auf seinem Weg bricht sich Hoffnung Bahn. Es ist ein Weg, der das Leid, die Not und das Elend des Einzelnen und der Welt in einem anderen Licht erscheinen lässt. Freilich nicht in einem Licht, das einem Schalter gleich einfach angeknipst wird, sondern das sich immer wieder erst hartnäckig – mit einem „aber“ – gegen das Dunkel wehren und durchsetzen muss.
Hiob weiß, dass er in Gott trotz allem einen Fürsprecher, einen „Erlöser“ hat – auch wenn Gott ihm in seiner jetzigen Situation bloß als willkürlicher Zerstörer seines Lebens erscheint. Hiob vertraut fest darauf, dass er diese erlösende Seite Gottes eines Tages „sehen“ wird, selbst wenn er jetzt und bis dahin, wie er sagt, nur noch aus Haut und Knochen besteht. Gott wird ihm nicht mehr als Fremder, sondern als Freund und Retter erscheinen.

Wie das? Indem Hiob die Welt aus Gottes Sicht und nicht nur aus seiner eigenen Sicht sehen lernt. Indem Hiob im Sehen Gottes etwas Lebendiges wahrnimmt, das ihm selbst dann nicht entrissen werden kann, wenn ihm alles sonst Lebensnotwenige genommen wurde. In diesem „Sehen“ Gottes liegt das Geheimnis von Erlösung.

Prof. Dr. Dirk Sager, Theologische Hochschule Elstal

Impuls vom September 2019

Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? (Matthäus 16,26; Monatsspruch für September 2019)

Die Welt gewinnen, das klingt sehr verlockend. Aber wie könnte das denn gehen, die Welt gewinnen? Was nimmt der Mensch da in den Blick? Was ist das Ziel seines Strebens? Gewinn von Besitz, von Ansehen, mehr Zustimmung durch andere Menschen, schnelles Erreichen von Karrierezielen? Oder möglichst viele verschiedene Länder bereisen, Erfüllung persönlicher Wünsche und Ziele, Optimierung des eigenen Körpers, Höchstzahl an Facebookfreunden und immer mehr Follower in den sozialen Medien?

Immer mehr – immer besser – immer weiter. Darin kann der Mensch sich selbst verlieren und folgt so bald nicht mehr den eigenen Zielen, sondern findet sich wieder als ein Getriebener. Was auch immer das sein könnte, die Welt zu gewinnen, Jesus warnt vor Seelenschaden durch Weltgewinn. Es gilt zu überprüfen, was der Mensch in den Fokus seines Strebens stellt. Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu sind aufgefordert, die Perspektive zu ändern. Was ist es wirklich wert, dass ich mein Streben, meine Sehnsucht darauf richte? Was will ich gewinnen und würde mir das guttun?

Über das, was der Mensch im Außen gewinnen kann, vergisst er oft den Blick nach innen zu richten. Jesus fordert auf, die eigene Seele nicht zu vergessen. Beschädigte Seelen durch Weltgewinn. Seelsorgerinnen und Seelsorger kennen solche Seelenschäden: Burnout – Einsamkeit – Überforderung – Konsumsucht – Sucht nach Selbstoptimierung und die kleinen Schwestern davon: Unzufriedenheit und Langeweile.

Wer ein Ziel in den Blick nimmt muss lernen, an den richtigen Stellen „Ja“ und „Nein“ zu sagen. Wer „Ja“ sagt zum Reich Gottes muss an anderen Stellen „Nein“ sagen zu dem eigenen Wunsch der Ich-Ausdehnung. Wie einer, der eine Perle findet und alles verkauft, um diese eine kostbare Perle zu erwerben. „Ja“ und „Nein“ sagen kann uns vor dem „zu viel“ schützen, auf das unsere Zeit einen Anspruch erhebt. Wer „Ja“ sagt zur Nachfolge Jesu muss „Nein“ sagen zur Verlockung des Weltgewinns, muss sich selbst mäßigen, ein gutes Maß finden für ein neues Verhältnis zu den alltäglichen Herausforderungen. Jesu Worte laden ein zur rechten Verhältnis-mäßigkeit, zu einer Mäßigung, um das rechte Verhältnis zur Welt und zur Seele zu finden. In diesem Sinne schützt die Nachfolge Jesu vor einem Schaden an der eigenen Seele: Seele heil statt Seelenschaden. Jesus fordert uns auf, die Perspektive zu ändern und ihm nachzufolgen. Eine Nachfolge, die dann in mancher Hinsicht Verlust bedeuten kann. Letztlich ist dieser Verlust im Horizont des Reiches Gottes aber ein Gewinn.
Prof. Dr. Andrea Klimt

Impuls vom Juni 2019

Wer vertraut, knüpft an Erfahrungen früherer, sogar ganz früher Jahre an und zieht daraus den Schluss, dass diese auch in der Zukunft gelten. Vertrauen ist also eine Art Vorschuss, dass das, was ich erwarte, auch eintritt. Vertrauen beinhaltet daher immer ein Risiko: Es kann sein, dass mein Vertrauen enttäuscht wird und ich dann negative Konsequenzen zu tragen habe.

Wie ist das mit dem Vertrauen zu Gott? Zunächst nicht anders als mit jeder anderen Art von Vertrauen auch. Es gründet auf Erfahrungen aus der Vergangenheit. Allerdings müssen es nicht unbedingt eigene Erfahrungen sein, sondern das Vertrauen zu Gott bezieht sich (auch) auf Erfahrungen anderer. Alle biblischen Texte sind letztlich von Menschen aufgeschriebene Erfahrungen mit Gott, mal in erzählender, mal in eher belehrender Form. Und im Unterschied zu unserem alltäglichen Vertrauen können die Erfahrungen mit Gott zurückgehen in ferne Zeiten.

Übrigens wird in den Psalmen häufiger genau dieser Zusammenhang bedacht. Die Beter wenden sich an Gott und erinnern ihn an sein Handeln in der Vergangenheit, an ein Handeln, das Grund gibt, ihm auch in der Gegenwart zu vertrauen:
Gott, wir haben mit unseren Ohren gehört,
Unsre Väter haben‘s uns erzählt,
was du getan hast zu ihren Zeiten,
in alten Tagen.
Mache dich auf, hilf uns
und erlöse uns um deiner Güte willen.“
(Psalm 44,2+27)

Glaube ist ein doppeltes Vertrauen: Vertrauen zu Gott und Vertrauen zu den Menschen, die uns ihre Erfahrungen mit Gott hinterlassen haben. In dieser Hinsicht bekommt die Losung des Kirchentages einen staunenden Unterton. „Was für ein Vertrauen“, das heißt: Wie erstaunlich ist es, dass sich Menschen überhaupt darauf einlassen, Gott zu vertrauen, ohne den „Gegenstand“ ihres Vertrauens je zu sehen.

Es kann aber auch das Staunen darüber zum Ausdruck bringen, dass Menschen, die glauben, bereit sind, sich in unterschiedlicher Weise einzubringen, um die Welt positiv zu verändern. Dass sie darauf vertrauen, dass solches Tun einen Sinn hat und nicht von vornherein vergeblich ist.

Impuls vom April 2019

Es ist sind die letzten Worte im Matthäusevangelium. Jesus nimmt Abschied von seinen „Jüngern“. Wir würden heute sagen: Schüler, Anhänger. Oder ganz modern: Follower. Und Follower waren sie ja im wahrsten Sinne des Wortes. Sie sind ihm gefolgt. Auf Schritt und Tritt. Haben an seinen Lippen gehangen. Gesehen, was er getan hat. Mit den anderen gestaunt und sich gewundert.

Aber nun ist diese Zeit zu Ende. Er ist am Kreuz gestorben. Und sie – die meisten jedenfalls – sind weggelaufen. Nur einige Frauen haben es ausgehalten, unter seinem Kreuz zu stehen und ihn sterben zu sehen.

Und dann das Erstaunliche: Sie sehen ihn wieder. Einzelne nur. Und auch nicht so wie vorher. Er bleibt nicht bei ihnen. Aber er redet und gibt ihnen einen Auftrag: „Machet zu Jüngern alle Völker!“ Vorher war er der Magnet, der Menschen angezogen hat. Jetzt sollen sie es sein. Sollen weitere „Follower“ für ihn gewinnen. Für seine Sache. Für die Botschaft, dass Gott der Vater der Menschen ist und nicht der Scharfrichter.

Wie soll das gehen? Drei Schritte gibt der Auferstandene ihnen vor: Hingehen – taufen – lehren. Und es sind Schritte, die bis heute die Grundaufgaben der christlichen Kirchen darstellen.

Hingehen. In unseren Breitengraden gibt es (noch) Kirchen als Gebäude. Viele. Eventuell sogar viel zu viele. Dorthin können Menschen kommen. Können Gottesdienste erleben und ihren Glauben feiern. Und doch: Zum Wesen der Kirche gehört es, zu den Menschen hinzugehen. In Häuser und Wohnungen. Oder an die Orte, an denen sich die Menschen versammeln. Wo sie arbeiten und feiern.

Taufen. Es gab Zeiten, in denen war es nicht denkbar, dass einer nicht getauft war. Das ist lange vorbei. Vorbei sind auch quasi magische Vorstellungen, die die Taufe als eine Art Schutzzauber für ein neugeborenes Kind verstanden haben. Taufe ist ein Zeichen. Sie bekräftigt, dass die allgemeine Aussage „Gott ist der Vater der Menschen und er liebt sie“, jedem einzelnen konkreten Menschen gilt.

Lehren. Lehren wird mittlerweile mit einem negativen Beigeschmack versehen. In einigen pädagogischen Konzepten sind nur noch Lernende vorgesehen, aber keine Lehrenden mehr. Als ob Menschen unmündig gemacht werden, wenn einer sie lehrt. Jesus ist da realistischer. Er weiß: Dass Gott mein Vater ist, der mich liebt, das entdecke ich nicht in mir selbst. Das muss mir eine oder einer sagen. Und am besten noch durch biblische Geschichten unterstützen, in denen ich das nachvollziehen kann. Das ist lehren.

Wo Kirche zu den Menschen geht, sie tauft und im Sinne Jesu lehrt, da ist Jesus mitten unter uns.
Impuls vom März 2019

„Wendet euer Herz wieder dem Herrn zu und dient ihm allein.“ (1 Samuel 7,3; Monatsspruch für März 2019)
Dass man irgendwie an Gott glaubt, ist kein Problem.Auch die Israeliten damals glaubten an Gott. Aber daneben verehrten sie noch andere Götter; sicher ist sicher. Der HERR, der Gott ihrer Väter, war ihnen wichtig; aber kann er sich wirklich um alles in ihrem Leben kümmern? Besser war es, auch die Göttin der Fruchtbarkeit zu verehren, die einigen Familien unter ihnen ganz tolle Ernteerträge bringt.

Der Prophet Samuel ermahnt nun die Israeliten, alle anderen Götter zur Seite zu tun und allein den HERRN anzubeten und ihn zur allein bestimmenden Kraft ihres Lebens zu machen.

Aus unserer heutigen Perspektive mögen diese Geschichten weit weg von unserer Lebenswirklichkeit sein. Aber dieser Eindruck trügt. Als Menschen stehen wir immer wieder vor der Frage, welche Mächte unser Leben bestimmen. Wir mögen uns autonom geben, als ob wir selber bestimmen, was wir warum tun oder lassen. Und doch zerren viele Kräfte an uns. Welcher Kraft geben wir nach? Viele Stimmen flüstern in unser Ohr und wollen uns die Richtung weisen. Auf welche Stimme hören wir? Oft entwickeln wir in uns eine Hierarchie, welche Stimmen uns stärker bestimmen und welche weniger.

Je nach Situation oder Herausforderung stellen wir dann das eine oder das andere mehr in den Vordergrund, je nach Vorteilslage. Einmal lassen wir unser Handeln von unserem christlichen Glauben dominieren, ein andermal bestimmt uns zum Beispiel das Bedürfnis, noch wohlhabender zu werden, auch wenn unser Verhalten oder Lebensstil dann christlichen Werten widerspricht.

Der Prophet mahnt uns, unser ganzes Leben, all unser Denken und Handeln, von unserem Glauben an Gott bestimmen zu lassen. Und in diesem Sinne umzukehren: die anderen Götter in unserem Leben zu entlarven und uns willentlich von ihnen abzuwenden, um uns allein dem Gott Israels, dem Vater Jesu Christi, zuzuwenden.

Das ist nämlich das Besondere an Gott, „dem HERRn“, dass er uns in Jesus Christus sein Herz gezeigt hat: voller Liebe, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Wenn wir uns IHM ganz unterstellen, dann werden wir von diesen Werten so erfüllt, dass sie unser alltägliches Handeln bestimmen, sowohl in der Gemeinschaft der Christen als auch in Schule, Studium oder Beruf. Dann kann man sich nicht in einem Bereich christlich verhalten und in einem anderen nicht, sondern Gottes Herzschlag wird zu unserem: Liebe und Gerechtigkeit werden für uns immer und überall bestimmend.

Prof. Dr. Michael Kißkalt